Die Konsequenzen unserer Grenzen

Was haben Grenzen mit unseren mentalen Fähigkeiten zu tun?

Wenn immer eine Grenze überschritten wird, d.h. jemand überschreitet deine Grenzen oder du gehst über deine eigenen Grenzen – dann passiert etwas. Meist hat diese Grenzüberschreitung, so unscheinbar sie auch sein mag, eine negative Auswirkung, deren wir uns im ersten Moment gar nicht bewusst sind.

Da die meisten von uns verlernt, haben, ihre eigenen Grenzen zu spüren und bewusst mit ihnen umzugehen, werden Grenzüberschreitungen zunächst gar nicht wahrgenommen oder erkannt.

Im Bereich des leistungsorientierten Hobbysports darf ich laufend folgendes wiederkehrendes Phänomen beobachten:
Nennen wir unseren ehrgeizigen Triathleten, der sehr hohe Ansprüche an seine Leistung hat, Peter.

Peter behandelt seinen Energiekörper und seinen physische Körper wie „Werkzeuge“. Sie sollen funktionieren und seinen sportlichen Zielen keine Grenzen setzen. Peter hat schon im Wintertraining richtig Gas gegeben. Momentan hat er wieder eine harte Trainingswoche. Er fühlt sich müde, hat aktuell gar nicht so richtig Lust am Training und in den letzten Tagen fühlt er leichte Knieschmerzen beim Lauftraining. Das sind eindeutige Zeichen seines physischen und energetischen Körpers, dass er an eine Grenze gestoßen ist – Er ignoriert das und trainiert weiter – schließlich geht es schon bald in die unmittelbare Wettkampfvorbereitung.

Die Leistung beim Training ist mäßig, der Spaß bleibt vorerst aus. Peter holt sich Rat für sein Knie bei einem Sportarzt, einem Ernährungsexperten, einem Masseur und einem Orthopäden. Er probiert unterschiedliche Dinge aus, damit er mit unterschiedlichen Maßnahmen, Hilfsmitteln oder Medikamenten sein Trainingspensum mit erträglichen Schmerzen durchziehen kann.

Körper und Energiekörper sind ratlos. Sie haben schon recht starke Signale gesendet, damit Peter die Grenzüberschreitungen wahrnimmt und damit aufhört. Peter ignoriert sie und geht weiter munter darüber. Peter vergisst dabei eine wichtige Sache: er besteht nicht nur aus seinem Geist, seinen Gedanken, seinem Ehrgeiz und seinem Charakter. Peter besteht auch aus seinem physischen und energetischen Körper. Und er kann diesen beiden nicht entfliehen, wenn sie beginnen, sich zu wehren.

Körper und Energiekörper sind oft sehr geduldig und glauben an die Vernunft in Peter. Sie glauben, er wird irgendwann erkennen, dass er nicht so weitermachen kann und ihnen irgendwann auch Ruhe und Erholung, Spaß und Freude gönnen wird. Das tut Peter aber nicht. Also greifen die beiden zu härteren Maßnahmen.

Es folgt zunächst eine Erkältung, gerne auch chronische Nebenhöhlenentzündungen oder immer wiederkehrende Halsschmerzen. Außerdem bemerkt Peter immer öfter, dass er bestimmte Nahrungsmittel nicht mehr so gut verdauen kann. Die Schmerzen im Knie sind ein Dauerbegleiter geworden, aber er hat ein Medikament gefunden, mit dem er sie weiter ignorieren kann. Er verzichtet inzwischen auf Laktose, Weizen, Zucker und Nüsse. Irgendwie geht es ihm aber trotzdem nicht besser. (Ich möchte damit nicht andere Disziplin ins Lächerliche ziehen, aber es ist mittlerweile bewiesen, dass viele der angeführten körperlichen Symptome psychische Ursachen haben und zunächst auf dieser Ebene vermieden werden können).

Seine Grenzen zu erkennen, ist Voraussetzung dafür, sie zu verschiebenBesonders in den Wettkampfphasen werden die körperlichen Beschwerden schlimmer und Peter fühlt sich vom Pech verfolgt. Immer kurz vor seinem nächsten „Leistungshoch“ wird er krank oder bekommt stärkere Schmerzen. Er ist frustriert, läuft von A nach B, um sich in diversen Disziplinen helfen zu lassen. Ruhe oder eine anderen Herangehensweise an sein Training oder seine Einstellung ist aber keine Option für ihn. Mit seiner „mentalen Stärke“ wird er sein Ziel schon erreichen.

Früher oder später wird Peter resignieren, vielleicht seinen Sport an den Nagel hängen – weil sein Körper ihn einfach nicht verträgt, weil er neuerdings massive diagnostizierte Nahrungsmittelunverträglichkeiten hat oder ein selbst nicht sehr sportlicher Arzt ihm gesagt hat: „mit diesem Knie wirst du niemals lange laufen können“. Peter hat also irgendwann eine Ausrede dafür, warum er mit dem Leistungssport aufhören muss.

Peter weiß es nicht, aber es geht auch leichter.

Die eigenen Grenzen spüren, kennen, wahren, respektieren und sie sogar irgendwann verschieben, um sich weiterzuentwickeln, das sind alles mächtige Kompetenzen, die sich jeder Mensch leicht aneignen kann. Nimmst du Grenzüberschreitungen rechtzeitig wahr und gehst richtig mit ihnen um., dann kannst du den ernstzunehmenden und chronifizierten Symptomen in deinem Körper vorbeugen. Das ist kein Hokuspokus sondern das einmal-eins von Sportpsychologen und Mentaltrainern.

Und dann klappt’s auch irgendwann mit der gesteigerten Leistung, die sogar Spaß macht.