Authentizität – wollen wir alle – können die wenigsten

In letzter Zeit begegnet mir der Begriff immer häufiger.

Bewerber sind „authentisch“ oder aber – „irgendwas passt bei dem nicht zusammen“, Unternehmer sind „authentisch“ und „vertrauenswürdig“, Unternehmen sind „authentisch“, „echt“. Und das kommt immer gut an.

Wir wählen neue Mitarbeiter deshalb aus, weil wir glauben, dass sie uns so begegnen, wie sie sind, dass wir ihre Schwächen und Stärken gut einschätzen können. Haben wir das Gefühl, dass sich jemand nicht ehrlich für uns begeistert, oder sich verstellt, dann war es das meistens.

Wir erleben, dass neue und bestehende Mitarbeiter insbesondere von einer Unternehmenskultur angezogen werden, in der es „wiegt, was es hat“, in der nichts vertuscht wird, in der Fehler offen angesprochen werden, in denen es auch einmal kracht, weil man dann weiter ehrlich miteinander umgeht.

Wir vertrauen Firmen oder Dienstleistern, weil wir glauben, dass sie uns nicht belügen, dass sie uns nichts vormachen.

Authentizität schafft Vertrauen und ein Gefühl von Sicherheit, dass nichts Unerwartetes eintrifft, dass man nicht „böse überrascht“ wird.

born to be realWenn Authentizität so toll ist, warum sind wir dann nicht einfach alle authentisch?

Unehrlichkeit und Angeberei findet heute niemand attraktiv – und doch begegnen wir diesen Verhaltensweisen immer wieder. Warum?

Weil wir unsere Realität immer an unseren Erwartungen an uns selbst messen. Oder noch schlimmer: wir bewerten, was gut und schlecht an uns ist, weil wir glauben, zu wissen, was andere von uns erwarten. Doch Erwartungen sind nicht real, und über die Erwartungen anderer wissen wir meist gar nichts. Es sind unsere eigenen Spinnereien.

Dennoch sind diese Erwartungen so mächtig, dass wir uns in alltäglichen Situationen „zusammenreißen“, uns anders darstellen als wir wirklich sind, das Wort auf unserer Zunge hinunterschlucken anstatt es zu sagen. Anstatt voll und ganz authentisch zu sein. Anstatt das zu sagen, was wir denken und fühlen und das zu tun, von dem wir erzählen.

Der Weg zu mehr Authentizität führt zwangsläufig über die Konfrontation mit unserem ganzen Bündel an Erwartungen – und denen der anderen, die wir zu kennen glauben. Erst wenn diese Hirngespinste dort zurückgelassen werden, wo sie entstanden sind – nämlich in der Vergangenheit, können wir wirklich so agieren, wie wir uns fühlen und sagen, was wir gerade denken. Und endlich so authentisch sein, wie wir es an anderen bewundern oder es gerne von anderen hätten.

Also gehen wir auf die Suche nach unser eigenen Authentizität…

Wann und wo bist du so, wie du wirklich bist?

Und warum bist du das nicht immer?